06.06.2026 | Lesezeit: ca. 4 Minuten

Präsentationen mit KI — vom Stichwort zur Folie

Vom Stichwort zur fertigen Folie

Eine leuchtende neuronale Kugel erzeugt eine Reihe Präsentationsfolien mit leeren Diagrammen

Eine Präsentation entsteht selten am Stück. Am Anfang stehen ein paar Stichworte auf einem Notizzettel, ein grober Ablauf im Kopf und der Wunsch, dass das Ganze am Ende ordentlich aussieht. Genau zwischen diesen Stichworten und der fertigen Foliendatei liegt die Arbeit, die viele Selbständige an den Abend vor dem Termin verschieben.

KI-Werkzeuge verkürzen diese Strecke spürbar. Sie ordnen Deine Gedanken zu einer nachvollziehbaren Reihenfolge, formulieren knappe Folientexte und liefern auf Wunsch passende Bilder dazu. Du bekommst keine fertige Rede, aber eine erste Fassung, an der Du weiterarbeitest statt vor einer leeren Datei zu sitzen.

Wobei KI bei Präsentationen wirklich hilft

Drei Aufgaben nimmt Dir die KI zuverlässig ab. Die erste ist die Struktur. Wenn Du Deine Stichworte einwirfst und nach einem Ablauf für zehn Folien fragst, bekommst Du eine Gliederung mit Einstieg, Hauptteil und Abschluss, die Du nur noch sortieren musst.

Die zweite ist der Text auf den Folien. Aus einem ausschweifenden Absatz macht die KI drei knappe Stichpunkte, die auf eine Folie passen. Das ist genau die Verdichtung, die vielen schwerfällt, weil sie ihr eigenes Thema zu gut kennen, um es kurz zu sagen.

Die dritte ist das Bildmaterial. Moderne Tools schlagen Symbole, Diagrammtypen oder ganze Hintergrundbilder vor, die zum Inhalt der Folie passen. Wie Du dabei brauchbare Motive bekommst, zeigt der Beitrag zur Bildgenerierung mit KI im Detail.

Diese drei Aufgaben haben eines gemeinsam. Sie kosten viel Zeit, verlangen aber kein Fachwissen, das nur Du besitzt. Genau dort spielt ein Werkzeug seine Stärke aus, das in Sekunden Varianten liefert, die Du danach auswählst und anpasst.

Von der Idee zur ersten Fassung

Der schnellste Weg führt über ein Werkzeug, das direkt eine Foliendatei ausgibt. Du beschreibst Thema, Zielgruppe und ungefähre Länge, lieferst Deine Stichworte mit und lässt einen ersten Entwurf erzeugen. Tools wie Gamma, Microsoft Copilot in PowerPoint oder Google Gemini in den Präsentations-Apps arbeiten nach diesem Muster.

Je konkreter Deine Anweisung, desto brauchbarer das Ergebnis. Nenne den Anlass, das Publikum und den Ton. Eine Anfrage wie „Acht Folien für ein Erstgespräch mit einem Handwerksbetrieb, sachlich, mit einer Folie zu Ablauf und Preisen“ liefert ein deutlich besseres Gerüst als „mach mir was zu meiner Dienstleistung“.

Die gleiche Sorgfalt bei der Anweisung lohnt sich bei jeder Textaufgabe mit KI. Wer den KI-Schreibprozess sinnvoll einsetzt, kennt das Prinzip schon und überträgt es ohne Umstellung auf die Folien.

Wenn Dein Werkzeug keine fertige Datei ausgibt, geht es auch in zwei Schritten. Du lässt Dir zunächst nur die Gliederung mit kurzen Folientiteln geben und prüfst, ob der Ablauf trägt. Erst danach füllst Du die einzelnen Folien mit Inhalt und überträgst das Ganze in Dein gewohntes Präsentationsprogramm.

Den ersten Entwurf nimmst Du danach auseinander. Du verschiebst Folien, wirfst halbe Inhalte raus und ziehst die wichtigste Aussage nach vorne. Die KI liefert die Rohmasse, die Reihenfolge und die Gewichtung entscheidest Du.

Worauf Du achten musst

Drei Punkte trennen eine vorzeigbare Präsentation von einer beliebigen. Der erste betrifft Deine eigenen Inhalte. Die KI kennt Deine Preise, Deine Referenzen und Deine Arbeitsweise nicht. Diese Folien füllst Du selbst, sonst klingt die Präsentation austauschbar und nach niemandem konkret.

Der zweite ist der Faktencheck. Sprachmodelle erfinden gelegentlich Zahlen, Jahreszahlen oder Studien, die plausibel aussehen und trotzdem falsch sind. Jede Zahl auf einer Folie gehört von Dir geprüft, bevor sie vor Publikum landet.

Der dritte ist die Gestaltung. Generierte Folien neigen zu vollen Textwüsten und bunten Effekten. Reduziere auf wenige Stichpunkte pro Folie, halte eine durchgehende Schrift und zwei bis drei Farben durch. Eine ruhige Folie, die Dein Publikum in fünf Sekunden erfasst, wirkt stärker als eine vollgestopfte.

Wenn Du Begleitmaterial brauchst, lässt sich aus den fertigen Folien per KI auch ein knappes Handout ziehen. Das funktioniert nach demselben Prinzip wie das Erstellen von Zusammenfassungen mit KI, nur in umgekehrter Richtung.

Wo die KI an ihre Grenzen stößt

Eine KI baut Folien, aber sie hält keinen Vortrag. Sie weiß nicht, an welcher Stelle Du eine Pause machst, wann Du eine Nachfrage erwartest und welche Anekdote bei genau diesem Gegenüber zündet. Die Dramaturgie eines Termins bleibt Deine Aufgabe.

Auch beim roten Faden stößt sie an Grenzen. Sie reiht Argumente sauber aneinander, erkennt aber nicht, welches davon für Deinen konkreten Kunden das entscheidende ist. Diese Gewichtung kommt aus Deiner Kenntnis des Gegenübers, nicht aus dem Modell.

Dazu kommt die Frage der Vertraulichkeit. Wer interne Zahlen oder unveröffentlichte Angebote in ein öffentliches Tool tippt, gibt diese Daten unter Umständen aus der Hand. Sensible Inhalte ergänzt Du besser erst lokal in Deinem Programm, nachdem das Gerüst steht.

Verlass Dich deshalb auf die KI für das Gerüst und die schnelle erste Fassung. Den Schliff, die richtige Reihenfolge und die persönliche Note legst Du selbst an. So bleibt die Präsentation Deine, auch wenn ein Werkzeug die halbe Vorarbeit übernommen hat.

Fazit — KI liefert das Gerüst, der Auftritt gehört Dir

Für die undankbaren Schritte von Struktur, Folientexten und Bildvorschlägen ist KI ein verlässliches Werkzeug. Sie bringt Dich vom leeren Blatt zu einer ersten Fassung, an der Du sinnvoll weiterarbeitest.

Die Substanz steuerst Du bei. Deine eigenen Zahlen, der geprüfte Inhalt und der Vortrag selbst entscheiden, ob die Präsentation überzeugt. Nutze die gewonnene Zeit dafür, Deinen Auftritt vorzubereiten statt Folien zu schieben.