Zehn Punkte. Mehr nicht. Wer SEO sortiert, fängt damit an — und kommt am ersten Nachmittag spürbar voran. Die Theorie zu Title-Tags, Core Web Vitals, Schema und Crawl-Budget türmt sich oft so hoch, dass am Ende gar nichts passiert. Lähmung statt Optimierung.
Dieser Beitrag liefert die Reihenfolge. Keine Tool-Empfehlung, keine Vollständigkeit, kein Anbieter-Name. Stattdessen eine ehrliche Priorisierung nach Wirkung pro Stunde, abgestimmt auf was SEO überhaupt leisten soll. Wenn Du die Basis-Begriffe noch nicht fest im Griff hast, lies dort kurz nach. Hier geht es um das saubere Handwerk und um die Disziplin, in der Reihenfolge zu bleiben.
Warum dieser Check vor allem anderen kommt
Sichtbarkeit scheitert selten am Wissen, fast immer an der fehlenden Reihenfolge. Wer mit Backlinks beginnt, bevor die Title-Tags sitzen, gießt Wasser in einen Eimer mit Loch. Wer Schema-Markup pflegt, bevor die H2-Struktur stimmt, dekoriert eine schiefe Wand.
Der Grundcheck deckt in drei bis vier Stunden Arbeit die rund 80 Prozent SEO-Wirkung ab, die für kleine Webseiten überhaupt erreichbar sind. Die restlichen 20 Prozent kosten ungleich mehr Zeit und Geld. Sie kommen später dran.
Du brauchst kein kostenpflichtiges Werkzeug. Ein moderner Browser mit eingebauten Entwickler-Werkzeugen reicht, dazu Notizblock und Stift für die Befunde. Wer mag, ergänzt ein kostenloses Browser-Plug-in, das die Header anzeigt. Mehr nicht.
Punkte 1 bis 5 — Sichtbarkeit und Struktur
Die ersten fünf Punkte ordnen, was Suchmaschinen zuerst sehen: den Eintrag in der Trefferliste und die Hierarchie der Seite.
- Title-Tag und Meta-Description pro Seite. Jede wichtige Seite bekommt einen Title bis 60 Zeichen mit dem Hauptbegriff vorn, dazu eine Description zwischen 140 und 160 Zeichen. Identische Titles über mehrere Seiten sind der häufigste vermeidbare Fehler.
- Eine H1 pro Seite, im sichtbaren Inhalt. Sie steht dort, wo der eigentliche Beitrag beginnt — nicht im Logo, nicht versteckt im Slider-Header. Genau eine H1 pro Seite, klar formuliert, mit dem zentralen Thema.
- H2 und H3 ohne Sprünge. Aussagekräftige Zwischenüberschriften gliedern jeden längeren Text. Wie Du die Hierarchie sauber halten kannst, ist eine eigene Disziplin — der Grundcheck stellt fest, ob sie überhaupt existiert.
- Lesbare URL-Slugs. Die Adresse lautet
/leistungen/webdesign-berlin/, nicht?id=12345&cat=7. Kein Sonderzeichen, keine Umlaute, keine Großbuchstaben, kein Datum. - Interne Verlinkung zwischen verwandten Seiten. Jeder Inhalt sollte in maximal drei Klicks von der Startseite erreichbar sein. Verwandte Themen verlinken sich gegenseitig, statt in der Sitemap auf ihre Entdeckung zu warten.
Wenn Du diese fünf Punkte abhakst, hast Du die Basis für jede weitere Maßnahme gelegt. Alles darüber baut auf dieser Schicht auf.
Punkte 6 bis 10 — Inhalt und Performance
Die zweite Hälfte richtet sich an Geräte, Geschwindigkeit und Aktualität. Hier zählen kleine Stellschrauben, die in Summe spürbare Wirkung haben.
- Mobile-Darstellung händisch geprüft. Nicht nur den grünen Lighthouse-Score abnicken, sondern die Seite mit dem Smartphone aufrufen. Tippziele groß genug, Schrift lesbar, kein horizontales Scrollen.
- Bild-Alt-Texte und Bildgrößen. Jedes Bild bekommt einen kurzen, beschreibenden Alt-Text. Dateinamen sprechen für sich, keine
IMG_4711.JPG. Praktische Schritte dazu stehen im Beitrag Bilder vor dem Hochladen verkleinern. Faustregel: unter 200 Kilobyte pro Bild. - Ladezeit messen, die zwei größten Bremsen abstellen. Meist sind das zu große Bilder und blockierende externe Skripte (Schriften, Tracker, Chat-Widgets). Welche Werte Google dabei zählt, erklärt der Beitrag was Google an Ladezeit konkret misst.
- HTTPS und saubere Weiterleitungen. Eine kanonische Domain, alles andere leitet dorthin. Keine doppelte Erreichbarkeit über
wwwund ohne, keine altenhttp://-Pfade in internen Links. - Inhalt-Aktualität. Jede Seite, die älter als zwei Jahre ist, kommt einmal auf den Prüftisch. Inhalt aktualisieren oder bewusst archivieren. Tote Beiträge mit Datum von 2019 schwächen die Wahrnehmung der ganzen Domain.
Wenn am Ende dieser zweiten Runde zehn Häkchen gesetzt sind, hat Deine Seite den Großteil der reparablen SEO-Defizite hinter sich.
Was Du erst nach dem Check angehst
Manche Themen klingen wichtig, gehören aber bewusst nicht in den Erst-Check. Sie sind teurer, ihr Hebel ist unklarer, und sie wirken nur, wenn die zehn Basis-Punkte sitzen. Vier davon werden Dir in Beratungs-Gesprächen am häufigsten angeboten. Meist ungefragt, gerne mit eindrucksvollen Diagrammen, fast immer überteuert für den realen Zustand der Webseite.
Backlink-Aufbau. Verlinkungen von anderen Webseiten sind Vertrauenssignal Nummer eins, lassen sich aber nicht kaufen ohne Risiko und nicht in einer Woche aufbauen. Ein gekaufter Link kann das Ranking schneller beschädigen als jahrelange Arbeit es aufbauen kann. Ein eigenes Thema für später.
Strukturierte Daten und Schema-Markup. Hilft den Rich Snippets in der Trefferliste, setzt aber eine saubere HTML-Basis voraus. Erst wenn Punkte 1 bis 10 stehen, lohnt sich der Aufwand.
Lokales SEO. Google Business Profile, lokale Verzeichnisse, Bewertungen. Ein eigener Themenblock mit eigener Logik, kein Nachmittag-Projekt.
Content-Cluster-Strategie. Hub-Seiten, Themen-Säulen, redaktioneller Plan. Wirkt erst ab einer gewissen Beitragszahl — und erst dann, wenn jeder einzelne Beitrag bereits den Grundcheck besteht.
Diese vier Themen sind nicht weniger wichtig, sie sind nur später dran. Wer sie zuerst angeht, optimiert über einem brüchigen Fundament.
Fazit — der Check als Rhythmus, nicht als Einmal-Aktion
Eine Webseite ist kein Möbelstück, das einmal aufgebaut und dann jahrelang ignoriert wird. Suchergebnisse verschieben sich, Inhalte altern, Technik entwickelt sich weiter. Der Grundcheck taugt deshalb nicht als Sprint, sondern als wiederkehrende Routine. Wer ihn einmal im Halbjahr ehrlich abarbeitet, hält die eigene Seite in derselben Liga, in der sich auch das Mitbewerb-Umfeld bewegt.
Trag Dir alle sechs Monate denselben Termin in den Kalender ein: zehn Punkte, drei Stunden, Notizblock. Was beim ersten Mal noch ein Berg war, ist beim dritten Durchlauf eine Inventur. Genau diese Wiederholung ist der strategische Hebel, den die meisten Mitbewerber unterlassen — und der Dir über Jahre den entscheidenden Vorsprung verschafft.