Webseiten altern leise. Erst rutscht das Ranking, dann beschwert sich ein Stammkunde über veraltete Preise, und plötzlich meldet der Hoster, die PHP-Version sei End-of-Life. Drei Symptome, ein Phänomen: Deine Webseite hat eine Lebensdauer.
Wie lang die ist, hängt nicht an einer einzelnen Zahl. Im Schnitt halten Auftritte heute fünf bis sieben Jahre, bevor ein größerer Umbau ansteht, manche länger, andere kürzer. Entscheidend ist, woraus Deine Seite besteht und wie konsequent Du sie pflegst.
Drei Schichten — Technik, Inhalt, Wahrnehmung
Eine Webseite altert nicht als Ganzes, sondern in drei Schichten gleichzeitig. Wer das versteht, weiß auch, wo der nächste Eingriff ansetzen muss.
- Technik: PHP-Version, CMS-Stand, Plugins, Server-Konfiguration. Sie altert am sichtbarsten, weil Hoster und Sicherheitsupdates Druck machen.
- Inhalt: Texte, Bilder, Preise, Ansprechpartner. Altert oft unbemerkt, bis ein Besucher anruft, weil eine Telefonnummer nicht mehr stimmt.
- Wahrnehmung: Design, Typografie, Mobile-Bedienung. Was vor fünf Jahren modern wirkte, fühlt sich heute angestaubt an, ohne dass Du es selbst noch siehst.
Die meisten Relaunch-Entscheidungen kippen dann, wenn zwei dieser Schichten gleichzeitig schwächeln. Eine altmodische Optik allein ist selten Grund genug; eine altmodische Optik plus PHP-Sicherheitsproblem schon.
Wovon hängt die Haltbarkeit ab
Fünf Faktoren beeinflussen, wie schnell Deine Seite altert. Die Reihenfolge entspricht der Häufigkeit, in der diese Themen in der Praxis auftauchen.
- Hosting und Server: Wie aktuell ist die Infrastruktur, welche PHP-Versionen werden überhaupt noch angeboten?
- CMS-Pflege: TYPO3, WordPress oder anderes: werden Sicherheitsupdates eingespielt, sind Erweiterungen aktuell?
- Design und Bedienung: Funktioniert die Navigation auf jedem Bildschirm, von 320 Pixel Smartphone bis 27 Zoll Desktop?
- Inhalte: Stimmen Daten, Bilder, Preise noch? Passen Tonalität und Themen zur heutigen Marke?
- Sichtbarkeit: Lädt die Seite schnell, sind Meta-Daten gepflegt, gibt es eine sinnvolle interne Verlinkung?
TYPO3 und WordPress altern unterschiedlich
TYPO3: der Profi-Allrounder
TYPO3 ist auf große Strukturen ausgelegt und altert grundsätzlich gut, weil das Kernsystem stabil bleibt. Aufwändig wird es bei den großen Sprüngen — etwa von v11 auf v13 — weil Erweiterungen nachziehen müssen und der Sitepackage-Code oft Anpassungen braucht.
Ein TYPO3 mit aktiven Long-Term-Support-Versionen läuft erfahrungsgemäß sieben bis zehn Jahre, bevor ein echter Relaunch nötig wird. Voraussetzung: regelmäßige Minor-Updates und eine Hand, die das Sitepackage pflegt.
WordPress: der pflegeintensive Allrounder
WordPress ist im Alltag freundlicher, aber wartungsintensiver. Die Updates kommen in kurzen Abständen, Plugins reißen mit. Ein Theme von 2018 funktioniert in vielen Fällen heute noch, sieht aber aus wie 2018 und passt nicht mehr zu aktuellen Bildschirmgrößen.
Die kritische Stelle sind Plugin-Stacks: zehn bis zwanzig Erweiterungen, die nicht alle gleichmäßig gepflegt werden. Spätestens beim WordPress-Major-Update fällt das auf, wenn drei Plugins streiken. Ein Backup vor jedem größeren Eingriff ist deshalb keine Empfehlung, sondern Pflicht.
Update reicht — oder muss ein Relaunch her
Die häufigste Frage in Tobias' Beratung: kleines Update oder kompletter Neubau? Eine grobe Trennung hilft.
Ein Update genügt, wenn:
- Das Design noch trägt und Du auf dem Smartphone gut zurechtkommst.
- Technik und CMS regelmäßig gepflegt sind, PHP aktuell.
- Die Inhalte mit überschaubarem Aufwand frisch gehalten werden können.
Ein Relaunch wird fällig, wenn:
- Die Seite technisch nicht mehr abgesichert werden kann — etwa weil PHP-Versionen vom Hoster nicht mehr unterstützt werden.
- Das Design auf Smartphones bricht oder nicht mehr zur Marke passt.
- Die Struktur über Jahre angepatcht wurde und niemand mehr durchblickt.
Schnelle Selbsteinschätzung: vier Symptome, die für einen Relaunch sprechen:
- Die Seite lädt langsamer als drei Sekunden.
- CMS-Updates erzeugen Fehlermeldungen.
- Mobile-Optimierung oder Barrierefreiheit fehlen ganz.
- Besucher beschweren sich über veraltete Informationen.
PHP-Versionen — die unsichtbare Grenze
PHP ist die Programmiersprache, auf der die meisten CMS laufen. Veraltete Versionen werden vom Hoster irgendwann abgeschaltet, nicht aus Bosheit, sondern weil Sicherheitsupdates ausbleiben. Das hat drei Konsequenzen für Dich.
- Sicherheitslücken bleiben offen: Bekannte Schwachstellen lassen sich nicht mehr patchen.
- Erweiterungen brechen: Plugins und Themes laufen ab einer bestimmten PHP-Version nicht mehr.
- Hoster sperren ab: Erst kommt eine Mail mit Frist, dann wird die alte PHP-Version abgeschaltet. Die Seite zeigt danach nur noch eine Fehlermeldung.
So findest Du Deine PHP-Version: in WordPress unter „Werkzeuge → Website-Zustand", in TYPO3 im Install-Tool, im Zweifel beim Hoster im Kunden-Portal. Wenn Dir die Zahl unter 8 angezeigt wird, lohnt sich ein Termin mit dem Entwickler oder Hoster, bevor die Sperrmail kommt.
Inhalte und Bilder — wann eine Frischekur reicht
Nicht jede Alterung braucht einen Relaunch. Inhalte lassen sich oft mit einer halben Tagesarbeit auf Stand bringen.
Bilder zuerst: verpixelte Fotos, fremde Gesichter aus Zeiten vor dem Mitarbeiterwechsel, Logos in alter Hausschrift. Tausch sie. Das spart oft den großen Designwurf.
Texte: Sortier sie in drei Stapel.
- Behalten: zeitlose Inhalte, die immer noch Besucher bringen, etwa Erklärungen, Anleitungen, Definitionen.
- Überarbeiten: Beiträge mit veralteten Zahlen oder überholten Werkzeugen. Datum, Quellen und Beispiele aktualisieren.
- Löschen: Beiträge, die niemand mehr aufruft und die fachlich überholt sind. Sie ziehen das Ranking nach unten.
Welche Beiträge gelesen werden, zeigt Dir Google Analytics oder Matomo. Schon zehn Minuten in der Auswertung beantworten, was bleibt und was geht.
Lebensdauer verlängern — drei Hebel im Alltag
Du musst keine großen Eingriffe planen, um die Seite jung zu halten. Drei Routinen reichen.
- Regelmäßige Checks: Einmal im Quartal die regelmäßige Pflege-Routine durchgehen: Updates, Linkprüfung, kurze SEO-Sichtung.
- Modulare Bauweise: Setze auf Themes und Erweiterungen, die mitwachsen. Beim nächsten Hoster-Wechsel hilft die Checkliste beim Hoster-Wechsel, damit Du nicht erneut auf veraltete Technik landest.
- Backups, immer: Vor jedem Update, vor jedem größeren Eingriff. Wenn etwas schiefgeht, ist ein zehn Minuten alter Stand mehr wert als jede Reparatur-Session.
Wer einen sauberen Start sucht, findet unter Dein erstes Webprojekt, wie ein gepflegtes Fundament aussieht.
Fazit
Eine Webseite ist nie fertig. Sie hat aber auch keine fixe Verfallszeit. Mit klarem Blick auf die drei Schichten — Technik, Inhalt, Wahrnehmung — entscheidest Du selbst, wann ein Update reicht und wann ein Relaunch dran ist. Plane die Pflege ein, halte die Backups frisch, und Deine Seite trägt deutlich länger als die fünf Jahre, von denen alle reden.