Über die Jahre sammeln sich Seiten an. Ein paar Blogartikel hier, eine alte Aktionsseite dort, drei Versionen derselben Leistungsbeschreibung. Irgendwann weißt Du selbst nicht mehr genau, was alles online steht und ob es noch etwas leistet.
Genau hier setzt ein Content-Audit an. Du nimmst Deinen kompletten Bestand einmal systematisch auseinander und schaust Seite für Seite, was Besucher bringt, was nur Platz belegt und was Dich sogar Ranking kostet. Das klingt nach viel Arbeit, lässt sich aber in klare Schritte zerlegen.
Was ein Content-Audit ist und wann er sich lohnt
Ein Content-Audit ist eine Bestandsaufnahme aller Inhalte Deiner Webseite mit anschließender Bewertung. Du erfasst jede einzelne Seite, misst ihre Leistung und entscheidest dann, wie es mit ihr weitergeht. Das Ziel ist ein schlanker Bestand, in dem jede Seite einen Zweck erfüllt.
Für Google zählt die Qualität Deiner Seiten mehr als ihre Menge. Viele schwache Seiten verwässern das Bild, das die Suchmaschine von Deiner Webseite hat. Eine aufgeräumte, durchgängig gute Sammlung rankt besser als ein wucherndes Archiv mit Karteileichen.
Der richtige Moment für einen Audit kommt, wenn Deine Webseite mehr als zwei, drei Jahre läuft, wenn Du Inhalte nie systematisch gepflegt hast oder wenn Deine Rankings ohne erkennbaren Grund nachlassen. Auch vor einem Relaunch ist er Pflicht, sonst schleppst Du den Ballast in die neue Seite mit.
Wie Du Deinen Bestand systematisch erfasst
Bevor Du bewertest, brauchst Du eine vollständige Liste. Ohne Übersicht übersiehst Du genau die vergessenen Ecken, die das Problem sind. Eine einfache Tabelle reicht völlig, eine Zeile pro Seite.
Die Adressen aller Seiten findest Du in Deiner XML-Sitemap, in der Google Search Console und in der Seitenliste Deines CMS. Bei mehr als ein paar Dutzend Seiten nimmt Dir ein Crawler die Arbeit ab, der die ganze Webseite abläuft und alle Adressen ausliest.
Pro Seite hältst Du dann ein paar Kerndaten fest, die Du für die spätere Bewertung brauchst:
- Adresse und Titel: damit Du die Seite eindeutig wiederfindest.
- Besucherzahlen: wie viele Menschen die Seite in den letzten Monaten aufgerufen haben.
- Suchanfragen: über welche Begriffe Menschen die Seite bei Google finden.
- Letzte Aktualisierung: wann der Inhalt zuletzt angefasst wurde.
Die Besucherzahlen ziehst Du aus Deinem Statistik-Tool, die Suchanfragen aus der Search Console. Schon dieser Schritt öffnet die Augen, weil Du schwarz auf weiß siehst, welche Seiten seit Monaten niemand mehr besucht hat.
Nach welchen Kriterien Du jede Seite bewertest
Jetzt geht es ans Bewerten. Drei Fragen stellst Du an jede Seite, und aus den Antworten ergibt sich fast von allein, was mit ihr passiert.
Die erste Frage betrifft die Leistung. Bringt die Seite Besucher über die Suche, wird sie verlinkt, führt sie zu Anfragen? Eine Seite, die seit einem Jahr keinen einzigen Besucher aus der Suche geholt hat, leistet für Google nichts.
Die zweite Frage betrifft die Aktualität. Stimmen die Inhalte noch, sind Preise, Zahlen und Verweise aktuell? Veraltete Angaben schaden mehr als ein leeres Feld, weil sie Vertrauen kosten. Wie Du Inhalte dauerhaft frisch hältst, vertiefe ich im Beitrag zu Inhalte pflegen statt verstauben.
Die dritte Frage betrifft die Relevanz. Passt die Seite überhaupt noch zu Deinem Angebot und zu dem, wofür Du gefunden werden willst? Eine Aktionsseite von vor drei Jahren bewirbt vielleicht ein Produkt, das es längst nicht mehr gibt.
Ein eigener Blick gilt den dünnen Seiten. Texte mit zwei Sätzen, leere Kategorieseiten oder fast identische Varianten derselben Aussage liefern weder Besuchern noch Google einen Mehrwert. Was Du dagegen tust, beschreibe ich ausführlich im Beitrag dünne Seiten vermeiden.
Was Du nach der Bewertung mit jeder Seite tust
Aus der Bewertung folgt für jede Seite eine von vier Entscheidungen. Geh Deine Tabelle durch und trag pro Zeile ein, was passiert.
- Behalten: Die Seite leistet, ist aktuell und relevant. Du lässt sie unverändert oder feilst nur an Kleinigkeiten.
- Aufwerten: Das Thema trägt, doch der Inhalt ist dünn oder veraltet. Du ergänzt, aktualisierst und vertiefst, statt die Seite neu anzulegen.
- Zusammenlegen: Mehrere Seiten behandeln dasselbe Thema. Du führst sie zu einer starken Seite zusammen und leitest die alten Adressen per Weiterleitung darauf um.
- Entfernen: Die Seite leistet nichts, passt nicht mehr und lässt sich nicht retten. Du löschst sie und richtest, wo sinnvoll, eine Weiterleitung auf eine verwandte Seite ein.
Beim Zusammenlegen und Entfernen zählen die Weiterleitungen. Eine gelöschte Adresse ohne Weiterleitung führt zu einer Fehlerseite, und der Wert, den die alte Seite über Verlinkungen aufgebaut hat, verpufft. Eine dauerhafte Weiterleitung (Code 301) reicht diesen Wert an die Zielseite weiter.
Arbeite die Maßnahmen nach Wirkung ab. Zuerst die Seiten, die viel Potenzial haben und nur eine Auffrischung brauchen, danach das Aufräumen der Karteileichen. So siehst Du schnell erste Ergebnisse, statt Dich im großen Bestand zu verlieren.
Den Audit zur Gewohnheit machen
Ein einmaliger Audit räumt auf, doch der Bestand wächst weiter, und in zwei Jahren stehst Du vor demselben Wildwuchs. Deshalb lohnt sich ein fester Rhythmus, ein gründlicher Durchgang einmal im Jahr.
Dazwischen reicht ein kurzer Blick alle paar Monate auf die meistbesuchten und die neuesten Seiten. Wer früh gegensteuert, muss nie wieder den kompletten Bestand auf einmal sanieren.
Wenn Du Deine Webseite ohnehin gerade von Grund auf durchleuchten willst, ist der SEO-Grundcheck in zehn Punkten ein guter Begleiter, weil er die technische Seite abdeckt, während der Content-Audit sich um die Inhalte kümmert.
Fazit
Ein Content-Audit ist eine Form von Ordnung, die Du in kleinen Schritten hältst. Du erfasst jede Seite, prüfst sie auf Leistung, Aktualität und Relevanz und entscheidest dann bewusst, ob Du sie behältst, aufwertest, zusammenlegst oder entfernst.
Am Ende steht ein Bestand, in dem jede Seite einen Zweck hat. Das macht es Deinen Besuchern leichter, das Richtige zu finden, und Google leichter, Deine Webseite als das zu sehen, was sie ist. Strategisch gewinnst Du mehr, indem Du Schwaches entfernst, als indem Du immer nur Neues hinzufügst.