Kaum eine Frage taucht beim Schreiben von Webseiten-Texten so oft auf wie die, wie viele Wörter ein Text braucht, damit Google ihn mag. Im Netz kursieren Zahlen von 300 bis 2.000 Wörtern, jede angeblich die einzig wahre.
Als Selbständiger oder kleines Unternehmen willst Du Klarheit statt Bauchgefühl, woran Du Dich beim Schreiben orientieren kannst. Die ehrliche Antwort hilft Dir mehr als jede Pauschalzahl, denn sie nimmt den Druck und zeigt Dir, worauf es bei einem guten Text ankommt.
Warum es keine magische Wortzahl gibt
Google bewertet keine Texte nach Länge. Es gibt keinen Schwellenwert, ab dem eine Seite plötzlich besser rankt. Wer Dir eine feste Zahl verspricht, verkauft Dir eine Abkürzung, die so nicht existiert.
Der Grund liegt in der Vielfalt der Suchanfragen. Jemand, der „Öffnungszeiten Bäckerei Mitte" sucht, will einen Satz und eine Adresse. Jemand, der „Sauerteigbrot selbst backen" eingibt, erwartet eine ausführliche Anleitung. Beide Suchen führen zu völlig unterschiedlichen Textlängen, und beide können auf Platz eins stehen.
Eine Wortzahl als Ziel zu setzen, verdreht die Reihenfolge. Du schreibst dann, um eine Zahl zu erreichen, statt um eine Frage zu beantworten. Genau dieses Vorgehen erkennen moderne Suchmaschinen und werten es eher ab. Studien zu Wortzahl und Ranking zeigen zwar oft, dass die vorderen Treffer länger sind. Das ist aber eine Folge und kein Rezept. Umfangreichere Themen verlangen mehr Text, und genau solche Themen landen vorne.
Was wirklich zählt — die Suchintention vollständig bedienen
Die richtige Länge ergibt sich aus einer einzigen Überlegung. Was will jemand wissen, der Deinen Text über die Suche findet, und hat er nach dem Lesen alles, was er braucht?
Ein Text ist dann lang genug, wenn er die Frage hinter der Suchanfrage vollständig beantwortet. Bleibt eine wichtige Folgefrage offen, ist er zu kurz, egal wie viele Wörter er hat. Wiederholt er denselben Gedanken in immer neuen Worten, ist er zu lang, auch wenn die Wortzahl beeindruckt.
Such Dein Hauptkeyword selbst bei Google und sieh Dir die ersten fünf Treffer an. Decken sie das Thema knapp ab oder ausführlich? Welche Unterfragen behandeln sie, welche Beispiele und Zwischenschritte tauchen auf? Diese Treffer zeigen Dir besser als jede Faustregel, welche Tiefe die Suchenden hier erwarten, und sie verraten Dir gleich, welche Aspekte Du keinesfalls vergessen darfst.
Hilfreich ist auch ein Blick auf die Fragen, die Google selbst unter den Treffern einblendet. Sie zeigen Dir, womit sich Suchende rund um Dein Thema noch beschäftigen, und jede dieser Fragen kann ein eigener Absatz in Deinem Text werden.
Wie moderne Suchmaschinen Inhalte bewerten und warum vollständige, hilfreiche Antworten dabei mehr zählen als Tricks, haben wir in einem eigenen Beitrag über die Bewertung von Inhalten genauer beschrieben.
Die passende Länge je Seitentyp finden
Statt einer Universalzahl hilft Dir ein Blick auf den Zweck der jeweiligen Seite. Jeder Seitentyp hat eine typische Spanne, die sich aus seiner Aufgabe ergibt.
- Startseite: kurz und führend, oft 300 bis 600 Wörter. Sie ordnet ein und verteilt Besucher auf die passenden Unterseiten.
- Leistungs- und Produktseiten: 500 bis 1.000 Wörter. Genug Raum für Nutzen, Ablauf und die häufigsten Fragen, ohne abzuschweifen.
- Ratgeber und Blogbeiträge: 800 bis 1.500 Wörter, bei komplexen Themen auch mehr. Hier erwarten Suchende Tiefe und konkrete Hilfe.
- Kontakt und rechtliche Seiten: so kurz wie nötig. Niemand sucht hier nach einem ausführlichen Text.
Diese Spannen sind Orientierung, kein Gesetz. Eine Leistungsseite darf länger werden, wenn das Thema erklärungsbedürftig ist, und ein Ratgeber darf knapp bleiben, wenn die Frage klein ist. Entscheidend bleibt, dass jeder Absatz einen Grund hat, da zu stehen.
Wer die Suchintention pro Seitentyp sauber bestimmt, schreibt fast automatisch in der richtigen Länge. Wie Du herausfindest, was Menschen bei einer Suchanfrage wirklich erwarten, zeigt der Beitrag zur Suchintention Schritt für Schritt.
Typische Fehler — Fülltext und zu dünne Seiten
Zwei Fehler tauchen besonders häufig auf, und beide schaden dem Ranking. Der eine bläht auf, der andere hungert aus.
Fülltext entsteht, wenn eine Wortzahl als Ziel gilt. Dann wandern Floskeln, Wiederholungen und allgemeine Plattitüden in den Text, nur damit die Zahl stimmt. Leser merken das nach zwei Sätzen und springen ab, und genau dieses schnelle Abspringen registrieren Suchmaschinen. Ein typisches Warnsignal ist der dritte Absatz, der nichts Neues mehr beiträgt und den ersten nur in anderen Worten wiederholt.
Das andere Extrem sind zu dünne Seiten. Drei Sätze auf einer Leistungsseite, die ein erklärungsbedürftiges Angebot beschreiben soll, reichen nicht. Der Suchende bleibt mit offenen Fragen zurück und sucht weiter, oft beim Wettbewerb. Gerade kleine Unternehmen verschenken hier Sichtbarkeit, weil ihre Seiten zwar sauber aussehen, aber zu wenig Substanz für eine gute Platzierung bieten.
Die Lösung liegt in der Mitte und ist einfacher, als sie klingt. Schreib so viel, wie das Thema verlangt, und kein Wort mehr. Geh Deinen Text am Ende noch einmal durch und streich jeden Satz, der nichts hinzufügt. Praktische Hilfe beim Formulieren findest Du im Beitrag zum Schreiben guter SEO-Texte, der Aufbau und Stil im Detail behandelt.
Fazit
Die Frage nach der perfekten Wortzahl führt in die Irre. Kein Text rankt besser, weil er eine bestimmte Marke knackt, und keiner fällt zurück, weil er ein paar Wörter zu kurz ist.
Orientier Dich an der Suchintention und am Zweck der Seite, dann ergibt sich die Länge von selbst. Beantworte die Frage Deiner Besucher vollständig, lass jeden überflüssigen Satz weg, und Du schreibst Texte, die Menschen und Suchmaschinen gleichermaßen überzeugen.