Ein schicker Video-Player mit eigenen Knöpfen wirkt auf den ersten Blick wie ein Upgrade. Er passt zur Farbwelt der Seite, hat abgerundete Symbole und eine schlanke Fortschrittsleiste. Was dabei oft untergeht, ist die Frage, ob diese selbst gebauten Knöpfe überhaupt bedienbar sind.
Der eingebaute Player des Browsers bringt Tastatur-Bedienung von Haus aus mit. Sobald jemand diese native Steuerung gegen eigene Symbole austauscht, übernimmt er die volle Verantwortung für deren Bedienbarkeit. Den wichtigsten Test machst Du in zwei Minuten selbst, ganz ohne Werkzeug.
Warum eigene Player-Knöpfe zur Hürde werden
Ein nachgebauter Knopf sieht aus wie ein Knopf, verhält sich für die Technik dahinter aber häufig wie ein bloßes Bild. Mit der Maus lässt er sich anklicken, mit der Tastatur erreicht ihn niemand. Wer ohne Maus arbeitet, steht dann vor einem Video, das er nicht starten kann.
Betroffen ist eine größere Gruppe, als die meisten vermuten. Menschen mit motorischen Einschränkungen führen die Maus oft nicht präzise und steuern alles über die Tastatur. Blinde Nutzer navigieren komplett mit Tastatur und Screenreader. Dazu kommen alle, die am Laptop ohne externe Maus sitzen oder eine Verletzung am Arm auskurieren.
Ein guter Player lässt sich deshalb genauso komplett über die Tastatur bedienen wie der Rest Deiner Seite. Schafft er das nicht, ist das Video für einen Teil Deiner Besucher schlicht gesperrt.
Der Tastatur-Test in zwei Minuten
Klick Deine Maus einmal beiseite und probier den Player allein mit der Tastatur. Mit der Tab-Taste wanderst Du von Knopf zu Knopf, mit der Eingabetaste oder der Leertaste löst Du aus, was gerade markiert ist. So merkst Du sofort, welche Bedienelemente erreichbar sind und welche ins Leere greifen.
- Play und Pause: Erreichst Du den Start-Knopf mit Tab und lässt er sich per Eingabetaste auslösen?
- Lautstärke: Kommst Du zum Ton-Regler und kannst ihn ohne Maus verändern?
- Fortschritt: Lässt sich die Position im Video per Tastatur vor- und zurückbewegen?
- Untertitel: Findest Du den Schalter für Untertitel und kannst ihn umlegen?
Bleibt eine dieser Stationen unerreichbar, hast Du eine Baustelle gefunden und einen klaren Auftrag an Deine Agentur. Der Test kostet zwei Minuten und sagt Dir mehr als jede Hochglanz-Vorschau des Players.
Eine sinnvolle Reihenfolge der Bedienelemente
Beim Tabben durch den Player wandert die Markierung von einem Knopf zum nächsten. Diese Reihenfolge sollte dem entsprechen, was Du vor Dir siehst. Sie läuft idealerweise von links nach rechts über die Leiste, so wie Dein Auge die Knöpfe ohnehin abtastet.
Springt die Markierung quer durch den Player, also erst zum Vollbild, dann zurück zur Lautstärke, dann zum Untertitel-Schalter, verliert ein Tastatur-Nutzer die Orientierung. Beim Selbsttest achtest Du also darauf, ob die markierte Stelle ruhig der Leiste folgt oder unkontrolliert hin- und herhüpft.
Lautstärke und Fortschritt ohne Maus
Zwei Bedienelemente machen besonders oft Ärger, weil sie Regler statt einfacher Knöpfe sind. Bei der Lautstärke und beim Fortschrittsbalken ziehst Du mit der Maus einen Punkt entlang einer Linie. Genau diese Zieh-Geste fällt für die Tastatur weg.
Ein bedienbarer Regler reagiert deshalb auf die Pfeiltasten. Sobald er markiert ist, hebt Pfeil nach rechts die Lautstärke an, Pfeil nach links senkt sie. Beim Fortschritt springst Du auf dieselbe Weise im Video vor und zurück. Funktioniert das, kommt ein Tastatur-Nutzer an jede Stelle des Films, ohne je die Maus zu berühren.
Prüf das im Selbsttest gezielt. Markier den Lautstärke-Regler und drück die Pfeiltasten. Passiert nichts, ist der Ton für viele Besucher in der einmal eingestellten Stärke eingefroren.
Der Untertitel-Schalter muss auffindbar sein
Untertitel helfen gehörlosen und schwerhörigen Menschen, in einer lauten Umgebung und allen, die den Ton gerade nicht hören können. Damit sie wirken, muss der Besucher sie überhaupt einschalten können. Der Schalter dafür gehört sichtbar in die Bedienleiste und reagiert auf die Tastatur wie jeder andere Knopf.
Häufig versteckt sich die Umschaltung hinter einem winzigen Symbol ohne klare Beschriftung, sodass niemand ahnt, dass es Untertitel gibt. Ein guter Player macht den Schalter erkennbar und sagt beim Umlegen, ob die Untertitel gerade an oder aus sind.
Wichtig bleibt die Trennung der Zuständigkeiten. Dieser Beitrag dreht sich um den Schalter, also um die Bedienbarkeit. Wie Du die Untertitel selbst erstellst und einbindest, behandelt der eigene Beitrag dazu.
Wenn der Player seinen Status ansagt
Ein blinder Nutzer hört über seinen Screenreader, was auf dem Bildschirm passiert. Drückt er den Play-Knopf, sollte das Gerät bestätigen, dass das Video nun läuft. Drückt er erneut, sollte es eine Pause melden. Ohne diese Rückmeldung tappt er im Dunkeln und weiß nicht, ob sein Tastendruck etwas bewirkt hat.
Gute Player geben solche Zustände als Text mit, den der Screenreader vorliest, etwa abgespielt, pausiert oder Ton aus. Auch die aktuelle Spielzeit und der Lautstärke-Wert gehören dazu. Ein stummer Player dagegen lässt blinde Besucher raten.
Dieser hörbare Status der Steuerung ist etwas anderes als die Beschreibung der Bildinhalte. Wie Du die Bildinhalte hörbar machst, ist ein eigenes Thema mit eigenem Beitrag.
Nativer Player oder Custom — die ehrliche Abwägung
Der eingebaute Player des Browsers bringt all diese Fähigkeiten von Haus aus mit. Tastatur-Bedienung, Pfeiltasten-Regler und Status-Ansage funktionieren, ohne dass jemand sie nachbauen muss. Dafür sieht er in jedem Browser etwas anders aus und folgt nicht Deiner Farbwelt.
Ein Custom-Player gewinnt beim Aussehen und verliert oft bei der Bedienbarkeit, sobald die genannten Punkte nicht sauber umgesetzt sind. Bevor Du Dich für die schicke Variante entscheidest, lohnt die nüchterne Frage, ob sie den Zwei-Minuten-Test besteht.
Eine gangbare Linie ist, im Zweifel beim nativen Player zu bleiben und ihn nur dezent an die eigene Optik anzulehnen. Wer einen Custom-Player will, sollte ihn vor dem Einbau gegen die Tastatur prüfen lassen. Wie sich das in die Grundlagen der Barrierefreiheit einfügt, zeigt der übergeordnete Beitrag.
Fazit
Ein Video-Player wird durch seine Erreichbarkeit gut, nicht durch sein Aussehen. Play, Lautstärke, Fortschritt und der Untertitel-Schalter gehören per Tab und Pfeiltaste bedienbar, in einer Reihenfolge, die der Leiste folgt.
Den entscheidenden Test machst Du selbst in zwei Minuten, indem Du die Maus weglegst und den Player allein über die Tastatur durchspielst. Bleibt ein Knopf unerreichbar, weißt Du genau, was Deine Agentur als Nächstes anpacken sollte. So wird aus einem hübschen Player ein Player, den jeder bedienen kann.