05.06.2026 | Lesezeit: ca. 4 Minuten

Sinnvolle Linktexte — warum „hier klicken" scheitert

Wenn der Link sein Ziel verrät

Eine Liste aus Link-Pfeilen, von denen nur einer klar zu seinem Ziel führt, während eine Cursor-Hand ihn antippt

Viele Menschen lesen eine Webseite nicht von oben nach unten. Wer einen Screenreader nutzt, lässt sich oft zuerst alle Links einer Seite als reine Liste vorlesen, herausgelöst aus den Sätzen drumherum. Das ist schnell und praktisch, so wie ein sehender Besucher die Seite kurz nach anklickbaren Stellen abscannt.

Damit verändert sich die Aufgabe eines Linktextes. Er muss für sich allein verständlich sein, ohne den Satz davor und danach. Steht in dieser Liste zehnmal „hier klicken", war die ganze Mühe umsonst.

Warum die Linkliste „hier klicken" entlarvt

Stell die Probe einmal selbst an. Schreib alle Links einer Deiner Seiten untereinander, nur den anklickbaren Text, ohne den Absatz drumherum. Ergibt sich daraus eine sinnvolle Sammlung von Zielen oder eine Reihe austauschbarer Floskeln?

Bei vielen Seiten klingt diese Liste wie ein Echo. „Mehr", „weiterlesen", „hier", „mehr erfahren", einmal mehr „hier". Jeder Eintrag zeigt woanders hin, doch keiner verrät, wohin. Für jemanden, der nur diese Liste hört, sind alle Ziele gleich unsichtbar.

Das ist der Kern des Problems. Ein Linktext, der nur im Zusammenspiel mit dem Fließtext funktioniert, lässt genau die Leser im Stich, die ihn aus dem Zusammenhang gerissen vorgesetzt bekommen.

Ein guter Linktext nennt sein Ziel

Die Lösung steckt schon in der Probe von eben. Ein Linktext gehört so formuliert, dass er auch allein in der Liste verständlich bleibt. Er beschreibt, was den Leser nach dem Klick erwartet, mit den Worten, nach denen er ohnehin suchen würde.

Der Unterschied wird an gegenübergestellten Formulierungen schnell greifbar.

  • Schwach: „Mehr über unsere Leistungen erfährst Du hier." Der Link sitzt auf dem leersten Wort des Satzes.
  • Brauchbar: „Wirf einen Blick auf unser Leistungsangebot." Der Link sitzt auf der Aussage.
  • Schwach: „Preisliste als PDF: weiterlesen."
  • Brauchbar: „Lade Dir die Preisliste herunter."

Das Muster bleibt immer dasselbe. Der anklickbare Teil liegt auf den Wörtern, die das Ziel benennen, nicht auf einem Füllwort daneben. So liest sich der Link in der Liste wie eine kleine Inhaltsangabe.

Das Linkziel gehört in den Text, nicht daneben

Manchmal rutscht die eigentliche Information neben den Link, statt hinein. „Unsere Öffnungszeiten findest Du auf der Kontaktseite, klick hier." Das Ziel steht im Satz, der Link liegt auf dem falschen Wort.

Besser wandert der Link auf den Begriff, der das Ziel trägt. „Unsere Öffnungszeiten stehen auf der Kontaktseite." Jetzt fällt das Füllwort weg, und der Linktext sagt aus sich heraus, wohin er führt.

Diese kleine Verschiebung kostet nichts und hilft doppelt. Der Satz wird kürzer, und der Link wird selbsterklärend. Solche aussagekräftigen Anker zahlen nebenbei auf Deine Sichtbarkeit bei Suchmaschinen ein, weil auch sie aus dem Linktext lesen, worum es auf der Zielseite geht.

Gleiche Ziele, gleiche Worte

Ein zweiter Stolperstein ist das Gegenteil von Eindeutigkeit. Auf manchen Seiten führen drei verschieden benannte Links auf dieselbe Zielseite, und umgekehrt tragen zwei Links denselben Text, zeigen aber woandershin.

Beides verwirrt. Wer in der Vorlese-Liste zweimal „Mehr erfahren" hört, erwartet dasselbe Ziel und landet an zwei verschiedenen Orten. Wer dieselbe Seite einmal als „Team" und einmal als „Über uns" verlinkt sieht, hält sie für zwei.

Die Faustregel ist angenehm einfach. Führt ein Link zum selben Ort, trägt er denselben Text. Führt er woandershin, bekommt er einen eigenen, klar unterscheidbaren. So bleibt die Linkliste eine verlässliche Landkarte Deiner Seite.

Dateien und neue Fenster ankündigen

Ein Link, der statt einer weiteren Webseite gleich eine Datei herunterlädt, überrascht den Nutzer gern im falschen Moment. Wer „Preisliste" anklickt und plötzlich einen Download startet, hat mit etwas anderem gerechnet.

Deshalb gehört die Art des Ziels in den Linktext, wenn sie vom Üblichen abweicht. Eine kurze Angabe genügt und nimmt jeden Schreck.

  • Format nennen: „Preisliste herunterladen (PDF)" sagt vorher, was kommt.
  • Größe bei großen Dateien: ein Hinweis wie „(PDF, 4 MB)" warnt vor langem Laden im Mobilnetz.
  • Neues Fenster: Öffnet ein Link in einem neuen Tab, gehört das angekündigt, damit niemand vergeblich den Zurück-Knopf sucht.

Die reine Bedien-Seite dieser Links, also Tastatur-Erreichbarkeit, sichtbarer Fokus und eine ausreichende Klickfläche, behandelt der Beitrag zu Links und Buttons, die klar und bedienbar sind. Hier geht es allein um die Worte, die im Link stehen.

Schlechte Linktexte im eigenen Text erkennen

Du brauchst kein Prüf-Werkzeug, um die häufigsten Fälle zu finden. Die schwachen Linktexte folgen wenigen Mustern, und mit etwas Übung springen sie Dir beim Gegenlesen ins Auge.

  • Das nackte „hier": Liegt der Link auf „hier", „dort" oder „diese Seite", sitzt er fast immer auf dem falschen Wort.
  • Das blasse „mehr": „Mehr", „weiterlesen" und „mehr erfahren" verraten nie ihr Ziel und klingen in der Liste alle gleich.
  • Die nackte Adresse: Eine ausgeschriebene Web-Adresse als Linktext liest der Screenreader Zeichen für Zeichen vor, ein Wortungetüm ohne Sinn.

Wer es genauer wissen will, schaltet einmal den eingebauten Screenreader ein und lässt sich die Linkliste der eigenen Startseite vorlesen. Wie eine Seite überhaupt vorgelesen wird und in welcher Reihenfolge, ordnet der Beitrag zu semantischem HTML, das vorliest ein.

Fazit — Worte, die ihren Weg verraten

Ein guter Linktext kostet Dich keinen Aufwand, nur die Gewohnheit, den Link auf das richtige Wort zu setzen. Beschreibe das Ziel, vermeide „hier" und „mehr", und gib gleichen Zielen gleiche Worte. Schon liest sich Deine Linkliste für alle als verständliche Landkarte.

Geh beim nächsten Text einmal bewusst jeden Link durch und frag Dich, ob er allein stehend Sinn ergibt. Diese kleine Routine fügt sich in die Grundlagen der Barrierefreiheit ein und macht Deine Seite nebenbei für Suchmaschinen lesbarer.