05.06.2026 | Lesezeit: ca. 5 Minuten

Sprache auszeichnen — das lang-Attribut richtig setzen

Damit jedes Wort richtig klingt

Stilisierte Sprechblasen in verschiedenen Farben mit einem leeren Etikett als Sinnbild für die Auszeichnung der Sprache einer Webseite

Deutscher Text, der mit englischer Aussprache vorgelesen wird, klingt für einen blinden Nutzer wie Kauderwelsch. Das Wort „Vorschau" wird dann zu „Forschau", „Service" zu „Serfietsche", und ganze Sätze verlieren ihren Sinn. Sehende merken davon nichts, weil die Schrift am Bildschirm ja stimmt.

Der Grund liegt eine Ebene unter dem Design. Ein Vorlese-Programm errät die Sprache eines Textes nicht selbst. Es verlässt sich auf eine Angabe im Aufbau der Seite. Fehlt diese Angabe oder ist sie falsch, spricht die Software den Text in der voreingestellten Sprache aus, und das ist oft nicht Deutsch.

Was die Seitensprache dem Vorlese-Programm verrät

Jede Webseite trägt ganz oben eine unsichtbare Angabe, in welcher Sprache ihr Inhalt verfasst ist. Diese Sprachauszeichnung ist für Besucher nie zu sehen, aber ein Vorlese-Programm liest sie als Allererstes aus. Sie sagt der Software, welche Aussprache-Regeln und welche Stimme sie verwenden soll.

Steht dort „Deutsch", schaltet der Screenreader auf die deutsche Stimme und betont „Datei", „Newsletter" und „Termin" so, wie ein deutscher Sprecher es täte. Diese eine Angabe wirkt auf die ganze Seite und kostet keinen sichtbaren Platz. Sie ist die Grundlage dafür, dass überhaupt etwas Verständliches ankommt.

Dieselbe Angabe hilft auch über das Vorlesen hinaus. Browser bieten anhand der Seitensprache eine passende Übersetzung an, und Suchmaschinen ordnen die Seite der richtigen Sprachregion zu. Du arbeitest mit einer korrekten Sprachauszeichnung also für solides Web-Handwerk insgesamt.

Wie sich eine falsche Sprache anhört

Am deutlichsten wird der Fehler, wenn gar keine Sprache hinterlegt ist. Viele Vorlese-Programme greifen dann auf die Sprache des Betriebssystems oder eine englische Voreinstellung zurück. Eine deutsche Speisekarte oder ein deutsches Impressum kommt dann mit hartem englischem Akzent, kaum zu verstehen.

Noch verwirrender wird es, wenn versehentlich die falsche Sprache eingetragen wurde. Ein häufiger Fall sind Vorlagen, die ab Werk auf Englisch stehen und beim Aufsetzen der Seite nie umgestellt wurden. Optisch fällt das niemandem auf, im Ohr eines täglichen Nutzers ist es eine massive Hürde.

Du musst dafür kein Fachmann sein, um den Unterschied zu hören. Schalte einmal das Vorlese-Programm Deines Geräts ein. Auf dem Mac heißt es VoiceOver, unter Windows liefert das kostenlose NVDA dasselbe Erlebnis. Schon der erste vorgelesene Satz verrät Dir, ob die richtige Stimme greift.

Wenn mitten im Text die Sprache wechselt

Eine Seite kann überwiegend deutsch sein und trotzdem fremdsprachige Stellen enthalten. Ein englisches Zitat, ein französischer Buchtitel, ein Fachbegriff, der nun einmal aus dem Englischen kommt. Für solche Inseln gibt es eine zweite, kleinere Sprachauszeichnung, die nur den einzelnen Abschnitt umschaltet.

Der Effekt ist hörbar. Ein als englisch markiertes Zitat wird mit englischer Aussprache vorgelesen und klingt korrekt, während der deutsche Text drumherum deutsch bleibt. Ohne diese Markierung versucht die deutsche Stimme, ein englisches Zitat deutsch auszusprechen, und das Ergebnis ist schwer zu entziffern.

Übertreiben musst Du es damit nicht. Eingedeutschte Begriffe wie „Computer" oder „Team" gehören längst zur deutschen Alltagssprache und brauchen keine Extra-Markierung. Sinnvoll wird der Sprachwechsel bei ganzen Zitaten, Titeln oder Passagen, die ein deutscher Sprecher tatsächlich anders aussprechen würde.

Häufige Fehler bei der Sprachauszeichnung

Die meisten Probleme entstehen schlicht aus Unachtsamkeit beim Aufsetzen der Seite, selten aus bösem Willen. Vier Muster tauchen besonders oft auf, und alle lassen sich ohne Programmierkenntnisse benennen.

  • Gar keine Angabe: Die Seitensprache wurde nie gesetzt, das Vorlese-Programm rät und liegt oft daneben.
  • Vorlagen-Rest: Eine englische Standard-Vorlage blieb stehen, obwohl die Seite längst deutsch ist.
  • Vergessene Sprachinseln: Englische Zitate oder Titel stehen unmarkiert im deutschen Text und werden falsch betont.
  • Falsche Übermarkierung: Jedes eingedeutschte Fremdwort wird einzeln umgeschaltet, was das Vorlesen unnötig zerhackt.

Auffällig oft sind diese Fehler in nachträglich eingebauten Teilen versteckt, etwa in einem zugekauften Buchungs-Fenster oder einem eingebetteten Formular. Welche unsichtbaren Hinweise solche Bausteine sonst noch brauchen, ordnet der Beitrag zu ergänzenden Zusatz-Hinweisen für Screenreader ein.

Woran Du erkennst, ob Deine Seite richtig ausgezeichnet ist

Den ehrlichsten Eindruck bekommst Du wieder mit dem Ohr. Starte das Vorlese-Programm und lass Dir die Startseite vorlesen. Klingt die Stimme von der ersten Silbe an deutsch und betont sie deutsche Wörter sauber, ist die Seitensprache mit hoher Wahrscheinlichkeit korrekt gesetzt.

Achte besonders auf die Stellen mit fremdsprachigem Inhalt. Wandert die Software bei einem englischen Zitat hörbar in die englische Aussprache und kehrt danach zurück, sind auch die Sprachinseln gepflegt. Bleibt alles in einer einzigen, holprigen Aussprache, fehlt die Feinarbeit.

Ergänzend gibt es Prüf-Werkzeuge, die im Browser laufen und Dir eine verständliche Liste ausgeben. Sie melden in Klartext, wenn die Seitensprache fehlt oder unplausibel ist, und ersparen Dir das Raten. Die saubere Grundstruktur dahinter beschreibt der Beitrag zu semantischem HTML, das vorliest.

Was Du von Deiner Agentur forderst

Du musst die Technik nicht selbst beherrschen, aber Du darfst sie verlangen. Ein klarer Satz an Deine Agentur genügt. Die Hauptsprache der Seite gehört korrekt ausgezeichnet, und fremdsprachige Zitate oder Titel werden als solche markiert, damit sie richtig vorgelesen werden.

Bitte zusätzlich um eine kurze Hörprobe, etwa eine Bildschirmaufnahme mit eingeschaltetem Vorlese-Programm über die wichtigsten Seiten. So überzeugst Du Dich vom Ergebnis, ohne in den Aufbau eintauchen zu müssen. Für eine normale Inhalts-Seite ist diese Auszeichnung schnell erledigt und bleibt danach dauerhaft wirksam.

Damit gehört die Sprachauszeichnung von Anfang an ins Angebot und nicht erst in die Nachbesserung. Sie fügt sich in die größeren Grundlagen der Barrierefreiheit ein, bei denen die solide Grundausstattung immer vor der späten Reparatur steht.

Fazit — eine Angabe, die alles richtig vorliest

Die Sprachauszeichnung ist eine der kleinsten Stellschrauben der Barrierefreiheit und zugleich eine der wirksamsten. Eine korrekt gesetzte Seitensprache entscheidet darüber, ob ein blinder Nutzer Deine Seite versteht oder sich durch akustischen Brei kämpft. Dabei kostet sie weder Platz noch Tempo.

Probier den Hörtest einmal an Deiner eigenen Startseite aus, dann weißt Du in fünf Minuten, ob die richtige Stimme greift. Klingt etwas englisch oder holprig, hast Du genau einen Punkt für das nächste Gespräch mit Deiner Agentur, der die ganze Seite verständlicher macht.