Oben im Browser stehen oft mehrere Tabs nebeneinander, jeder mit einem kurzen Titel. Wer sehen kann, erkennt am Text sofort, welcher Tab das Kontaktformular ist und welcher die Preisliste. Tragen alle denselben Titel, etwa nur den Firmennamen, wird das Wiederfinden zur Sucherei.
Für Menschen, die den Bildschirm nicht sehen, ist dieser Titel noch wichtiger. Eine Vorlesehilfe nennt ihn als Erstes, sobald eine Seite lädt, und auch beim Wechsel zwischen geöffneten Seiten. Der Titel und die Überschriften darunter sind das Inhaltsverzeichnis, an dem sich solche Besucher entlangtasten. Beides bekommst Du mit etwas Sorgfalt sauber hin, ganz ohne neues Design.
Warum der Seitentitel zählt
Mit Seitentitel ist hier der Name gemeint, der oben im Browser-Tab steht, nicht der Werbetext aus den Google-Ergebnissen. Genau dieser Name wird einer Vorlesehilfe als Erstes angesagt, noch bevor der eigentliche Inhalt beginnt.
Beim schnellen Wechsel zwischen mehreren geöffneten Seiten ist der Titel oft der einzige Anhaltspunkt. Heißt jede Seite gleich, hört ein blinder Nutzer immer denselben Satz und weiß nie, wo er gerade gelandet ist. Ein eindeutiger Titel pro Seite löst dieses Problem in einem Schritt.
Was ein guter Seitentitel leistet
Ein guter Titel beginnt mit dem, was die Seite ausmacht, und stellt erst danach den Firmennamen dahinter. „Kontakt" gefolgt vom Namen sagt sofort, worum es geht. Der Firmenname zuerst und das Thema irgendwo dahinter zwingt jeden zum Warten, bis der entscheidende Teil endlich vorgelesen ist.
Jede Seite verdient einen eigenen Titel. „Startseite" auf jeder Unterseite ist genauso wenig hilfreich wie ein Buch, in dem jedes Kapitel gleich heißt. Wenn Leistungen, Über mich und Kontakt sich klar im Titel unterscheiden, findet jeder die richtige Seite schneller wieder.
Den Test machst Du in einer halben Minute selbst. Öffne mehrere Seiten Deiner Webseite in eigenen Tabs und schau nur auf die Beschriftung oben. Erkennst Du jede Seite allein an ihrem Tab-Titel, ist die Sache rund. Stehen überall dieselben Worte, weißt Du, wo Du nachbessern lässt.
Überschriften sind die Gliederung der Seite
Überschriften sind mehr als großer, fetter Text. Sie sind das Gerüst, an dem eine Vorlesehilfe entlangführt. Wer eine Seite nicht überfliegen kann, lässt sich stattdessen alle Überschriften nacheinander vorlesen und springt gezielt zu dem Abschnitt, der ihn interessiert.
Das funktioniert genau wie bei einem Buch. Die Hauptüberschrift nennt das Thema der Seite, die Unterüberschriften zerlegen es in nachvollziehbare Abschnitte. Wie eine Vorlesehilfe diese Struktur Schritt für Schritt abarbeitet, zeigt der Beitrag dazu, wie ein Screenreader eine Seite vorliest.
Fehlt diese Gliederung, bleibt nur der lange Weg von oben nach unten. Eine Seite ohne Überschriften wirkt beim Vorlesen wie ein einziger riesiger Absatz: Sehende überspringen ihn mit den Augen, eine Vorlesehilfe muss sich durch jedes Wort arbeiten. Überschriften sind die Abkürzungen, die diesen Weg verkürzen.
Eine logische Reihenfolge halten
Überschriften haben Ebenen, ähnlich der Gliederung in einem Inhaltsverzeichnis: eine Hauptüberschrift ganz oben, darunter Unterüberschriften, bei Bedarf noch eine feinere Ebene. Diese Reihenfolge sollte Schritt für Schritt nach unten gehen und keine Ebene auslassen.
Ein übersprungener Schritt stiftet beim Vorlesen dieselbe Verwirrung wie ein Inhaltsverzeichnis, das von Kapitel 1 direkt zu Abschnitt 1.3.4 springt. Der Zuhörer verliert den Faden, weil die Ebenen nicht mehr zusammenpassen. Sauber ist es, wenn auf die Hauptüberschrift eine Unterüberschrift folgt und erst danach die nächste feinere Stufe kommt.
Wichtig ist außerdem, dass eine Überschrift wirklich eine Überschrift ist und nicht bloß ein fett formatierter Satz. Fett gemachter Text sieht zwar nach Überschrift aus, wird einer Vorlesehilfe aber als normaler Satz angesagt. Damit verschwindet er aus der Liste, an der sich Deine Besucher orientieren.
Dieselbe Klarheit gilt für die Wörter selbst. Wie Du Abkürzungen und Fachbegriffe auflöst, statt sie unkommentiert stehen zu lassen, liest Du im eigenen Beitrag dazu.
Häufige Fehler und woran Du sie erkennst
Die meisten Stolperstellen lassen sich ohne Technik aufspüren, wenn Du auf wenige Merkmale achtest.
- Gleiche Titel überall: Jede Seite trägt denselben Tab-Titel, meist nur den Firmennamen. Eine Vorlesehilfe sagt dann auf jeder Seite dasselbe an.
- Fett statt Überschrift: Ein Abschnitt sieht aus wie eine Überschrift, ist in Wahrheit aber nur vergrößerter, fetter Text und taucht in der Überschriften-Liste nicht auf.
- Übersprungene Ebenen: Auf die Hauptüberschrift folgt sofort eine sehr feine Stufe, dazwischen fehlt die mittlere Ebene.
- Überschrift als Schmuck: Ein Wort wird nur deshalb zur Überschrift gemacht, weil es größer aussehen soll, obwohl es gar keinen Abschnitt einleitet.
Jeder dieser Fehler kostet Orientierung, ohne dass an der Optik etwas auffällt. Dieselbe Sorgfalt zahlt sich übrigens auch bei einer bedienbaren Navigation aus, denn auch dort entscheidet die Struktur darüber, ob jeder ans Ziel kommt.
Was Du von Deiner Agentur forderst
Du musst diese Struktur nicht selbst bauen, aber Du darfst sie einfordern. Ein klarer Satz genügt: Jede Seite braucht einen eindeutigen Titel, der das Thema vor dem Firmennamen nennt, und Überschriften in logischer Reihenfolge ohne übersprungene Ebenen.
Bitte zusätzlich um eine kurze Probe, etwa eine Aufnahme mit eingeschalteter Vorlesehilfe, in der jemand sich allein über die Überschriften durch eine Seite bewegt. So hörst Du selbst, ob die Gliederung trägt, ohne in den Aufbau hineinschauen zu müssen. Dieselbe Ordnung hilft nebenbei auch Suchmaschinen, die Seite einzuordnen.
Fazit
Ein eindeutiger Seitentitel und saubere Überschriften sind die Wegweiser, an denen sich jeder Besucher orientiert, besonders der, der den Bildschirm nicht sieht. Sie kosten kein neues Design, nur etwas Sorgfalt im Aufbau, und sie wirken auf jeder einzelnen Seite.
Geh Deine eigene Webseite einmal mit diesem Blick durch: Trägt jeder Tab einen eigenen Namen, und folgen die Überschriften einer klaren Reihenfolge? Wo es hakt, lohnt der erste Handgriff. Den größeren Rahmen liefern die Grundlagen der Barrierefreiheit.