Ein Balkendiagramm mit dem Umsatz pro Quartal, sauber gestaltet und aussagekräftig. Daneben im Backend steht als Beschreibung ein einziges Wort: „Umsatz". Für alle, die das Bild nicht sehen, ist die eigentliche Aussage damit verloren.
Für jemanden, der die Seite vorgelesen bekommt, ist dieses Diagramm damit fast wertlos. Er hört „Umsatz", aber keine einzige Zahl. Die ganze Aussage, jeder Balken, jede Entwicklung über das Jahr, bleibt für ihn unsichtbar. Bei komplexen Bilder barrierefrei zu arbeiten heißt genau hier anzusetzen: dort, wo ein kurzer Satz die Information nicht mehr trägt.
Wann ein normaler Alt-Text nicht ausreicht
Bei einem einfachen Foto genügt ein knapper Satz, der die Aussage des Bildes wiedergibt. Wie das funktioniert und wann ein Bild bewusst stumm bleibt, klärt der Beitrag zu Alt-Texten für einfache Bilder. Bei einem datenreichen Bild stößt dieser kurze Satz an seine Grenze.
Der Unterschied liegt in der Menge der Information. Ein Foto zeigt eine Szene, die sich in einem Satz zusammenfassen lässt. Ein Diagramm dagegen transportiert oft ein Dutzend einzelner Werte, und genau die sind der Grund, warum das Bild überhaupt auf der Seite steht.
Vier Bildtypen verlangen deshalb mehr als einen Satz:
- Balken- und Liniendiagramme: Die einzelnen Werte und der Verlauf sind die Botschaft, nicht die bunte Form.
- Infografiken: Sie verpacken viele Aussagen, Zahlen und Beziehungen in ein einziges Bild.
- Landkarten und Lagepläne: Der Weg, die Lage, die Nachbarschaft lassen sich kaum in fünf Wörtern fassen.
- Prozess-Schaubilder: Pfeile und Kästchen zeigen eine Abfolge, die als reine Beschreibung erst Sinn ergibt.
Die Faustregel ist einfach: Wenn Du das Bild jemandem am Telefon erklären müsstest und dafür mehr als einen Satz brauchst, reicht ein kurzer Alt-Text nicht.
Die Aufgabe in zwei Teile zerlegen
Bei einem komplexen Bild hilft ein zweistufiges Vorgehen. Du trennst die Kernaussage von den Details und gibst beiden ihren eigenen Platz.
Der erste Teil ist die kurze Beschreibung im Alt-Feld. Sie benennt knapp, worum es geht, ohne die Daten aufzuzählen. „Balkendiagramm des Umsatzes je Quartal 2025" sagt einem hörenden Nutzer sofort, was ihn erwartet, und kündigt das Bild sinnvoll an.
Der zweite Teil ist die ausführliche Beschreibung der eigentlichen Inhalte. Die gehört nicht ins Alt-Feld, denn ein langer vorgelesener Absatz ermüdet. Sie steht als sichtbarer Text direkt neben oder unter dem Bild, dort, wo jeder sie lesen kann.
So bekommt der hörende Nutzer dieselbe Information wie das Auge, nur in einer Form, die sich vorlesen lässt. Das Bild bleibt das Bild, und die Daten bekommen einen Ort, an dem sie für alle erreichbar sind.
Die Daten doppelt anbieten
Der wirksamste Weg bei einem Diagramm ist beinahe banal: Biete die Zahlen zusätzlich als Text an. Was die Grafik zeigt, schreibst Du daneben einmal aus, als kurze Aufzählung oder als Tabelle.
Bei einem Tortendiagramm zur Umsatzverteilung wären das die einzelnen Anteile in Worten: Region Nord 40 Prozent, Süd 35 Prozent, der Rest verteilt. Wer das Bild nicht sieht, liest die Werte. Wer es sieht, hat die Wahl zwischen schnellem Blick und genauer Zahl.
Bei einer Landkarte gibst Du die Wegbeschreibung als Text dazu, statt nur den Lageplan abzubilden. Bei einem Prozess-Schaubild beschreibst Du die Schritte als nummerierte Liste. Das Muster bleibt immer dasselbe.
Genau hier liegt der angenehme Nebeneffekt: Die Zahlen im Text nützen auch jenen, die das Diagramm zwar sehen, aber den genauen Wert ablesen wollen. Eine gute Datenbeschreibung dient selten nur einer Gruppe. Wie eine Seite überhaupt vorgelesen wird und in welcher Reihenfolge, zeigt der Beitrag zu verständlich strukturierten Seiten.
Was das auch für Google bringt
Die ausgeschriebenen Daten helfen nicht nur Menschen, die schlecht sehen. Eine Suchmaschine kann den Inhalt eines Bildes nicht lesen. Die Zahlen in einer Grafik bleiben für Google unsichtbar, der gleiche Inhalt als Text dagegen ist auffindbar.
Wer also seine Quartalszahlen oder seine Anfahrt zusätzlich als Text anbietet, macht diese Information für die Suche sichtbar. Das Diagramm bleibt der schöne Blickfang, der Text wird zum Inhalt, über den Dich jemand überhaupt erst findet.
Damit zahlt die barrierefreie Beschreibung doppelt ein. Sie öffnet den Inhalt für hörende Nutzer und sie öffnet ihn für Suchmaschinen, die sonst nur ein stummes Bild vorfinden würden.
Wer das beim Erstellen der Grafik übernimmt
Vieles davon entscheidet sich nicht im Backend, sondern schon beim Entwurf der Grafik. Wenn jemand für Dich gestaltet, gehört die zugängliche Beschreibung von Anfang an dazu, ohne Extra-Auftrag.
Frag Deine Agentur oder Deinen Dienstleister konkret nach drei Dingen: Liefert die Grafik die enthaltenen Zahlen auch als Text mit? Bekommt jedes Diagramm eine kurze Beschreibung für das Alt-Feld? Funktioniert die Aussage des Bildes auch ohne seine Farben, etwa über Muster oder Beschriftung?
Der letzte Punkt hängt eng mit der Frage zusammen, ob Farbe allein eine Information trägt. Ein Diagramm, dessen Linien sich nur durch die Farbe unterscheiden, fällt für manche Augen zu einem einzigen Strang zusammen.
Eine gute Antwort klingt nach Selbstverständlichkeit, nicht nach Mehraufwand. So bleibt die Arbeit dort, wo das Wissen sitzt, und Du behältst nur die kurze Stichprobe: Stehen die Zahlen irgendwo als Text?
Eine kurze Routine für den Alltag
Damit das im Tagesgeschäft nicht untergeht, reicht eine knappe Abfolge, die schnell zur Gewohnheit wird. Du gehst sie bei jedem datenreichen Bild einmal durch.
- Kernaussage benennen: ein kurzer Satz fürs Alt-Feld, der sagt, was die Grafik zeigt.
- Daten ausschreiben: die enthaltenen Werte als sichtbare Liste oder Tabelle neben das Bild.
- Gegenprobe machen: Verstünde jemand den Inhalt allein aus dem Text, ohne das Bild zu sehen?
Diese drei Schritte kosten pro Grafik wenige Minuten und entscheiden, ob ein Teil Deiner Besucher die Aussage überhaupt mitbekommt. Ob Deine Seite das durchgängig schafft, lässt sich systematisch prüfen, wie der Beitrag zu Barrierefreiheit systematisch testen zeigt.
Fazit
Ein Diagramm ohne Daten im Text ist für einen Teil Deiner Besucher ein leeres Bild. Die Lösung verlangt keine Technik, nur einen kurzen Satz fürs Alt-Feld und die enthaltenen Zahlen einmal als sichtbaren Text daneben.
Geh das bei Deiner nächsten Grafik bewusst durch. Du machst die Aussage damit für hörende Besucher zugänglich und nebenbei für Google auffindbar, das sonst nur ein stummes Bild gesehen hätte.