Sobald eine Webseite unter die Barrierefreiheits-Pflicht fällt, verlangt der Gesetzgeber ein eigenes Dokument: die Erklärung zur Barrierefreiheit. Sie ist kein Gütesiegel, sondern eine ehrliche Selbstauskunft über den Stand Deiner Seite.
Viele Betreiber unterschätzen genau dieses Dokument. Die Technik wird geprüft, der Text vergessen. Dabei ist die Erklärung der Teil, den Behörden und Nutzer als Erstes sehen, und der mit dem wenigsten Aufwand sauber zu erledigen ist.
Was die Erklärung zur Barrierefreiheit leistet
Die Erklärung ist ein veröffentlichter Text, in dem Du transparent machst, wie barrierefrei Deine Seite aktuell ist. Sie nennt offen, was funktioniert und was noch hakt, und gibt Nutzern einen Weg, Probleme zu melden.
Wichtig ist die Erwartungshaltung dahinter: Niemand verlangt eine perfekte Seite zum Stichtag. Verlangt wird, dass Du Deinen Stand kennst, ihn benennst und an den Lücken arbeitest. Die Erklärung dokumentiert genau diese Haltung.
Pflicht wird sie für die Anbieter, die ohnehin barrierefrei sein müssen. Wenn Du die rechtliche Frage für Deine Seite noch nicht geklärt hast, beantwortet sie der Beitrag zur Barrierefreiheits-Pflicht nach dem BFSG. Öffentliche Stellen kennen das Dokument schon länger, für den privatwirtschaftlichen B2C-Bereich ist es seit 2025 neu hinzugekommen.
Was inhaltlich hineingehört
Eine brauchbare Erklärung besteht aus wenigen festen Bausteinen. Du musst sie nicht literarisch ausformulieren, aber jeder Punkt sollte klar beantwortet sein.
- Stand der Vereinbarkeit: Ist Deine Seite vollständig, teilweise oder nicht vereinbar mit den Anforderungen? Die ehrliche Einordnung ist hier mehr wert als ein geschöntes „vollständig".
- Bekannte nicht barrierefreie Inhalte: Liste die Stellen auf, die Du selbst schon kennst. Ein älteres PDF, ein Karten-Element, ein Video ohne Untertitel. Wer Lücken offen benennt, wirkt glaubwürdiger als wer sie verschweigt.
- Feedback- und Kontaktweg: Eine Stelle, an die Nutzer Barrieren melden können. E-Mail-Adresse oder Formular reichen, wichtig ist die schnelle Erreichbarkeit.
- Hinweis auf das Durchsetzungsverfahren: Wenn auf eine Meldung keine zufriedenstellende Antwort kommt, dürfen Nutzer sich an die zuständige Schlichtungs- oder Durchsetzungsstelle wenden. Dieser Hinweis gehört in jede Erklärung.
Dazu kommt ein Erstellungs- oder Prüfdatum, damit jeder sieht, wie aktuell der genannte Stand ist. Sinnvoll ist auch eine kurze Angabe, worauf sich Deine Einordnung stützt: eine eigene Prüfung, ein Testbericht der Agentur oder ein automatisches Werkzeug. Das macht nachvollziehbar, wie belastbar die genannte Bewertung ist.
Beim Feedbackweg lohnt sich ein Zusatz, der vielen fehlt: ein Hinweis darauf, in welcher Frist Du auf Meldungen antwortest. Eine zugesagte Reaktion binnen weniger Wochen kostet Dich nichts und nimmt dem Dokument den rein formalen Charakter.
Wo Du sie platzierst
Das beste Pflichtdokument nützt nichts, wenn niemand es findet. Die Erklärung soll von jeder Seite aus leicht erreichbar sein, ähnlich wie Impressum und Datenschutz.
Der bewährte Ort ist eine eigene Unterseite, verlinkt im Footer. So liegt sie an der Stelle, an der Nutzer rechtliche Hinweise ohnehin erwarten. Eine versteckte Verlinkung tief in einem Untermenü erfüllt den Zweck nicht.
Wähle einen sprechenden Link-Text wie „Barrierefreiheit", nicht ein kryptisches Kürzel. Wer mit einem Screenreader durch den Footer geht, hört die Linkliste am Stück und findet einen klar benannten Eintrag deutlich schneller. Ein eigener, gut lesbarer Slug für die Seite hilft zusätzlich beim direkten Verlinken und Weitergeben.
Achte darauf, dass die Erklärungsseite selbst barrierefrei ist. Klare Überschriften, lesbarer Kontrast, ein Link, der ohne Maus erreichbar ist. Eine Erklärung über Barrierefreiheit, die selbst Barrieren hat, untergräbt ihren eigenen Sinn. Wie Du den Zustand Deiner Seite überprüfst, zeigt der Beitrag zum Barrierefreiheit testen.
Wie Du sie aktuell hältst
Eine Erklärung ist kein Dokument zum Einmal-Schreiben-und-Vergessen. Sie beschreibt einen Stand, und der ändert sich, sobald Du an der Seite arbeitest.
Setze Dir einen festen Rhythmus, etwa eine jährliche Prüfung, und halte das Datum in der Erklärung jedes Mal nach. Nach größeren Relaunches oder neuen Funktionen schaust Du außer der Reihe drauf, weil genau dort neue Barrieren entstehen.
Pflege die Liste der bekannten Lücken aktiv: Was Du behoben hast, streichst Du, was neu auffällt, ergänzt Du. So bleibt das Dokument ehrlich, und Du hast nebenbei eine kleine Aufgabenliste für die nächste Verbesserungsrunde. Die Prinzipien dahinter erklärt der Beitrag zu den WCAG-Grundlagen der Barrierefreiheit.
Praktisch hilft eine feste Notiz im Kalender oder im Projekt-Tool, gekoppelt an den Termin, an dem Du ohnehin Impressum und Datenschutz durchsiehst. Wer die drei Pflichttexte gemeinsam prüft, vergisst keinen davon und erledigt die Aktualisierung in einem Aufwasch.
Wer die Erklärung erstellt
Du musst die Erklärung nicht allein verfassen. Sinnvoll ist eine klare Aufteilung zwischen Dir und der Agentur oder dem Entwickler, der Deine Seite betreut.
Die technische Einschätzung, also welche Inhalte aktuell barrierefrei sind und welche nicht, kommt am besten von der technischen Seite. Sie kennt die Schwachstellen und kann den Vereinbarkeits-Stand belastbar einordnen. Frag Deine Agentur konkret nach einer Prüfung gegen die Anforderungen und nach einer Liste der offenen Punkte.
Den Kontakt- und Feedbackweg und das Veröffentlichen übernimmst Du selbst, weil daran Deine Erreichbarkeit hängt. Verlasse Dich nicht auf eine fertige Mustererklärung aus dem Netz, ohne sie an Deine Seite anzupassen. Ein generischer Text, der nicht zum echten Stand passt, ist im Zweifel schädlicher als gar keiner.
Fazit
Die Erklärung zur Barrierefreiheit ist der einfachste Teil der ganzen Pflicht: ein ehrlicher Text statt aufwendiger Technik. Wer seinen Stand kennt, ihn offen benennt und einen Meldeweg anbietet, hat das Wesentliche erfüllt.
Setze sie früh auf, verlinke sie im Footer und halte das Datum nach. So wird aus einer formalen Pflicht ein sichtbares Zeichen, dass Du Deine Webseite für alle Besucher ernst nimmst.